Der Friedhof St. Peter soll in den kommenden Jahren und Jahrzehnten behutsam weiterentwickelt werden. Grundlage dafür ist ein umfassendes Friedhofsentwicklungskonzept, das dem Stadtrat am 29. Oktober vorgestellt wurde. Es verbindet den Erhalt der traditionellen Friedhofskultur mit neuen Bestattungsangeboten, einer stärkeren Begrünung und Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel. Ziel ist es, den Friedhof als würdigen Ort der Erinnerung zu bewahren und zugleich auf die Bedürfnisse künftiger Generationen vorzubereiten.
Gemeinsam entwickelt und intensiv abgestimmt
Eine wesentliche Grundlage des Konzeptes bildet die enge Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltung, Arbeitskreis Friedhofsentwicklung und den beauftragten Landschaftsarchitekten und Stadtplanern Gisela Siller und Harald Hillebrand vom Büro FreiraumSpektrum.
Der Arbeitskreis wurde auf Initiative von Bürgermeister Dr. Resch ins Leben gerufen, der die Entwicklung des Friedhofs von Beginn an aktiv begleitete, an gemeinsamen Begehungen teilnahm und den Planungsprozess maßgeblich vorantrieb.
Im Rahmen gemeinsamer Begehungen, intensiver Abstimmungen und fachlicher Diskussionen wurden die bestehenden Strukturen des Friedhofs untersucht, Verbesserungspotenziale aufgezeigt und unterschiedliche Vorstellungen zur zukünftigen Gestaltung zusammengeführt.
Besondere Aufmerksamkeit galt dabei der Neugestaltung der Gedenkstätte für Sternenkinder. Für diesen sensiblen Bereich wurden zusätzlich Fachleute mit entsprechender Erfahrung sowie die Künstlerin Karin Kuffer in den Planungsprozess einbezogen. Durch diese fachübergreifende Zusammenarbeit konnte eine sorgfältig abgestimmte Planung entwickelt werden, die den Bedürfnissen betroffener Familien ebenso Rechnung trägt wie den gestalterischen und funktionalen Anforderungen.
Das vorliegende Konzept ist damit das Ergebnis eines breit angelegten und gemeinsam getragenen Planungsprozesses.
Ein Friedhof im Wandel
Die Bestattungskultur hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verändert. Während klassische Erd- und Familiengräber weiterhin ihren festen Platz haben, gewinnen Urnenbestattungen und pflegearme Grabformen zunehmend an Bedeutung.
Auch in Abensberg ist diese Entwicklung erkennbar. Nach den vorliegenden Erhebungen entfallen mittlerweile rund drei Viertel der Bestattungen auf Urnenbeisetzungen. Gleichzeitig entstehen durch die Auflassung bisheriger Grabstätten freie Flächen, die neue Möglichkeiten für die Gestaltung eröffnen.
Der bestehende Friedhof verfügt über ein gut gegliedertes Wegenetz und zahlreiche Sichtachsen. Allerdings prägen große Kies- und Schotterflächen das Erscheinungsbild. Zusammenhängende Grünstrukturen und schattige Aufenthaltsbereiche sind bislang nur in begrenztem Umfang vorhanden.
Das Entwicklungskonzept greift diese Ausgangslage auf. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, den gewachsenen Friedhof vollständig umzugestalten oder die traditionelle Grabkultur zu verdrängen. Vielmehr sollen vorhandene Qualitäten erhalten, bestehende Strukturen aufgewertet und neue Angebote behutsam ergänzt werden.
Unterschiedliche Bereiche mit eigenem Charakter
Kern des Entwicklungskonzeptes ist die Gliederung des Friedhofs in unterschiedliche Gestaltungs- und Nutzungsbereiche. Nicht jeder Teil des Friedhofs muss dabei gleich aussehen. Vielmehr sollen die einzelnen Bereiche entsprechend ihrer Funktion und ihrem Charakter weiterentwickelt werden.
Im traditionellen Friedhofsbereich bleibt die klassische Grabkultur prägend. Bestehende Einzel- und Doppelgräber sollen vorrangig wiederbelegt werden. Ergänzende Hecken, einzelne Baumpflanzungen und Frühjahrsblüher auf vorübergehend ungenutzten Grabstellen sollen das Erscheinungsbild aufwerten.
Ein weiterer Bereich soll künftig eine größere Vielfalt an Bestattungsformen ermöglichen. Neben klassischen Gräbern sind hier unterschiedliche Urnengrabformen, Baumgräber und pflegearme Gemeinschaftsanlagen vorgesehen. Hecken, Baumgruppen und Staudenpflanzungen sollen die bislang weitgehend offenen Grabfelder räumlich gliedern und geschützte Bereiche schaffen.
Im naturnahen Friedhofsbereich stehen Grünflächen, Blühwiesen und alternative Urnenbestattungen im Mittelpunkt. Ziel ist eine ruhigere, parkähnliche Gestaltung mit einem höheren Vegetationsanteil.
Die einzelnen Bereiche werden durch ein übergeordnetes Grünkonzept miteinander verbunden. Langfristig sollen Bäume, Hecken und Pflanzflächen ein zusammenhängendes grünes Grundgerüst bilden, das dem Friedhof eine klarere räumliche Struktur verleiht.
Klimafriedhof: Mehr Schatten und Aufenthaltsqualität
Ein wesentlicher Bestandteil des Konzeptes ist die Anpassung an zunehmende sommerliche Hitze und Trockenheit.
Gerade Friedhöfe werden häufig von älteren Menschen, Personen mit eingeschränkter Mobilität und gesundheitlich empfindlichen Menschen besucht. Für sie sind ausreichend Schatten, gut begehbare Wege, Sitzgelegenheiten und kurze Wege von besonderer Bedeutung.
Zusätzliche Bäume, Hecken und begrünte Flächen sollen deshalb langfristig zu einem angenehmeren Kleinklima beitragen. Nicht mehr benötigte Kies- und Schotterflächen sollen schrittweise durch standortgerechte Bepflanzungen ersetzt werden.
Ein besonderes Augenmerk gilt dem Umfeld der Aussegnungshalle St. Peter. Hier fehlt bislang ausreichender Schatten für Trauergesellschaften, insbesondere bei größeren Beisetzungen in den Sommermonaten.
Das Konzept sieht deshalb ein zurückhaltend gestaltetes, bei Bedarf nutzbares Sonnensegel vor, das kurzfristig Schutz vor intensiver Sonneneinstrahlung bieten kann. Ergänzende Baumpflanzungen sollen langfristig die Beschattung übernehmen.
Auch die Gestaltung des Vorplatzes soll verbessert werden. Einheitliche Materialien, zusätzliche Grünflächen und Sitzgelegenheiten sollen einen ruhigen, funktionalen und würdevollen Rahmen schaffen.
Perspektivisch soll zudem geprüft werden, wie sich die Aussegnungshalle selbst weiter verbessern lässt. Hierzu gehören insbesondere die Toilettenanlagen sowie weitere funktionale und gestalterische Maßnahmen am Gebäude.
Ein geschützter Erinnerungsort für Sternenkinder
Ein eigenständiger und besonders sensibler Bestandteil der Friedhofsentwicklung ist die Neugestaltung der Gedenkstätte für Sternenkinder.
Die bisherige Situation bietet nur wenig räumlichen Schutz und entspricht nicht vollständig den besonderen Anforderungen an einen solchen Ort der Trauer und Erinnerung.
Gemeinsam mit dem eigens einbezogenen Fachkreis und der Künstlerin Karin Kuffer wurde deshalb ein Gestaltungsvorschlag entwickelt, der Geborgenheit, Ruhe und persönliche Erinnerung in den Mittelpunkt stellt.
Vorgesehen ist ein geschützter, durch Hecken und Staudenpflanzungen gefasster Bereich mit einer zentralen Skulptur und Sitzgelegenheiten. Angehörige sollen dort auch persönliche Erinnerungszeichen wie Blumen, Kerzen oder bemalte Steine ablegen können.
Die Gedenkstätte soll ein würdiger Ort werden, an dem Familien, die um ein früh verstorbenes Kind trauern, einen geschützten Raum für ihre Erinnerungen finden.
Schrittweise Entwicklung statt vollständiger Umgestaltung
Das Friedhofsentwicklungskonzept ist ausdrücklich als langfristiger Rahmenplan angelegt. Die vorgeschlagenen Maßnahmen sollen nicht gleichzeitig umgesetzt werden, sondern schrittweise, entsprechend dem tatsächlichen Bedarf, der Verfügbarkeit frei werdender Grabflächen und den finanziellen Möglichkeiten der Stadt.
Besonders wichtig ist dabei die Nutzung bereits vorhandener Flächen. Frei werdende Grabstellen können vorübergehend begrünt oder später für neue Bestattungsangebote verwendet werden. Bestehende Wege und Infrastrukturen sollen möglichst erhalten bleiben.
Ein weiterer Bestandteil ist ein differenziertes Pflegekonzept. Standortgerechte, langlebige Pflanzungen sowie extensiv gepflegte Grünflächen sollen dazu beitragen, den Unterhalt langfristig wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll zu gestalten. Dabei wird auch die notwendige Pflege neuer Pflanzungen in den ersten Entwicklungsjahren berücksichtigt.
Als mögliche langfristige Entwicklungsperspektive wurde zudem ein parkartig gestalteter Friedhofsbereich westlich der bestehenden Anlage untersucht. Über Erforderlichkeit, Größe, Lage und konkrete Ausgestaltung dieser möglichen Erweiterung ist jedoch noch gesondert zu entscheiden. Die weitere Planung des sogenannten Friedparks ist deshalb zunächst zurückgestellt.
Das Konzept versteht sich somit nicht als abschließender Bauplan, sondern als Leitfaden für die langfristige Entwicklung und als Grundlage für zukünftige Entscheidungen des Stadtrats.
Im Mittelpunkt steht die gemeinsame Zielsetzung, den Friedhof St. Peter als würdigen Ort der Bestattung und Erinnerung zu erhalten und ihn gleichzeitig mit mehr Grün, Schatten, geschützten Aufenthaltsbereichen und zeitgemäßen Bestattungsangeboten an die Bedürfnisse künftiger Generationen anzupassen.
Denn ein Friedhof entwickelt sich nicht in einem Jahr, sondern über Generationen.
Pressemitteilung und Projektplan von FreiraumSpektrum; Dipl. Ing. (FH) Harald Hillebrand, Freier Landschaftsarchitekt und Stadtplaner.