Gute Möbel für einen guten Zweck
Was in Abensberg im Zuge modernster Pädagogik ausgedient hat, rettet nahe der ukrainischen Front ein Stückchen Alltag für Schulbildung im Luftschutzbunker: Die Stadt hat gut erhaltene Schulmöbel, die wegen der Sanierung und des Neubaus der Grundschule nicht mehr benötigt wurden, an eine Schule im Kriegsgebiet gespendet.
Neues Pädagogikkonzept macht Weg frei für Hilfsaktion
Die Grundschule Abensberg stellt derzeit auf ein komplett neuartiges pädagogisches Konzept um, welches auch eine vollkommen neue Möblierung der Klassenzimmer erfordert. Die bisher genutzten Schulmöbel waren allerdings noch völlig intakt und einwandfrei. Auf Initiative von Stadtbaumeister Blerim Syla entschieden die Verantwortlichen, die Tische und Stühle nicht einfach zu verschrotten – was der Verwaltung zudem erhebliche Entsorgungskosten beschert hätte. „Für die Schutte waren diese Möbel einfach viel zu schade“, erklärt Blerim Syla. Er machte sich auf die Suche nach Partnern, die den aufwendigen Transfer in das Kriegsgebiet organisieren und sicherstellen konnten, dass das Mobiliar vor Ort sinnvoll wiederverwendet wird.
Klassenzimmer im Schutzraum
Fündig wurde er über die Fristo Stiftung und das Engagement von Eva Mattes. Sie organisiert gemeinsam mit weiteren Ehrenamtlichen die Hilfstransporte persönlich. Vor Ort unterstütze sie ein Team um Hausmeister Christian Häckl. Kürzlich berichtete sie der Stadtverwaltung Abensberg eindrucksvoll von den Transporten und zeigte Bilder vom Zielort: Die Abensberger Tische und Stühle, sowie weitere Ausstattungsgegenstände wie Tafeln, Projektoren etc. befinden sich jetzt in einer Schule in der Region Charkiw im Osten des Landes – nur rund 30 bis 40 Kilometer von der aktiven Frontlinie entfernt.
Das Schulgebäude ist zwar intakt, doch schallt durch die geografische Nähe zur Front beinahe täglich der Luftalarm durch die Flure. Bislang bedeutete dies für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte stundenlanges Verharren im Ungewissen. Um den Kindern und Jugendlichen trotz des andauernden Krieghandlungsschutzraums eine sinnvolle Beschäftigung und kontinuierliches Lernen zu ermöglichen, wurden im Schutzkeller der Schule komplette Ausweich-Klassenzimmer eingerichtet. Dank der Spende aus Abensberg kann der Unterricht nun selbst bei Alarm sicher unter der Erde weitergehen. Doch die Möbel bieten
weit mehr als eine Lernmöglichkeit: Sie schenken den Kindern Ablenkung, eine vertraute Struktur und einen Moment Normalität, in dem Sorgen und Ängste für kurze Zeit in den Hintergrund rücken.
Hilfe, die ankommt
Die Hilfsaktion zeigt, welches Potenzial in Gütern steckt, die hierzulande nicht mehr benötigt werden: Was in Deutschland ausgemustert wird, leistet in Krisengebieten oft unschätzbare Dienste. Möglich gemacht wurde der Transport durch die Fristo Stiftung. Die Stiftung setzt sich seit langem mit logistischem Know-how und vollem Einsatz dafür ein, humanitäre Hilfsgüter genau dorthin zu bringen, wo die Not am größten ist. Neben Mobiliar organisiert die Stiftung unter anderem Transporte für medizinische Geräte und Ausrüstungen – wie etwa voll funktionsfähige Herz-Lungen-Maschinen, Sauerstoffgeräte oder abgelaufenes, aber steril verpacktes Verbandsmaterial, das vor Ort Leben retten kann.
So können auch Sie helfen
Die Hilfe für die Menschen in der Ukraine ist weiterhin auf Spenden und Engagement angewiesen. Wenn Sie die Transportlogistik oder weitere Hilfsprojekte der Fristo Stiftung unterstützen möchten, finden Sie Informationen zu Spendenmöglichkeiten und aktuellen Projekten auf der Website der Stiftung unter www.fristostiftung.de
Ein herzlicher Dank gilt allen Beteiligten, den Ehrenamtlichen rund um Eva Mattes sowie Stadtbaumeister Blerim Syla für diese vorbildhafte Aktion.
Auf dem Bild: Christian Häckl, Andrea Brandl, Blerim Syla, Daniel Herbst, Agnes Mattes und Dr. Bernhard Resch (v.l.n.r.).
Bild: Wohlgemuth
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