Aventinusplatz Abensberg | © Klaus Dobmaier

Der "Troadstadl" 

... wie ihn die Einheimischen nennen, ist ein mächtiger, sechsgeschossiger ehemaliger Getreidespeicher aus dem 15. Jahrhundert. Er beherbergt das Stadtmuseum und die Touristinformation.

Johann III., Herr von Abensberg, erbaute ihn um 1450. Als um Mitte des 12. Jahrhunderts das Geschlecht der Babonen ausstarb, fiel der Bau an die bayerischen Herzöge. Neben seiner ursprünglichen Funktion als Getreidespeicher diente er als Materialdepot, Gefängnis, Hopfendarre und schließlich als Möbelhaus. Bei seiner Sanierung in den Jahren vor der Neueröffnung im Jahr 2006 als Stadtmuseum und Touristinformation konnten die Architekten seine Bauphasen genau datieren. Demnach befinden sich noch Holzbalken und Ziegelsteine aus der Zeit um 1480 im Gebäude. Das spitzbogige Eingangsportal datiert ebenfalls um diese Zeit.

Der Bau ist in drei Voll- und drei Dachgeschosse gegliedert und hat einen tonnen-überwölbten Kellerraum. Vom Erdgeschoss bis zum 2. Obergeschoss teilen zwei Pfostenreihen aus Eichenholz den Innenraum parallel zur Traufseite in drei Längsachsen. Mittelstützen tragen und unterteilen die drei Dachgeschosse.

 

Baugeschichte

2001 befasste sich der Architekt Stefan Ebeling aus Ihrlerstein mit der Baugeschichte. Dabei analysierte er das Mauerwerk und er beauftragte das Jahresringlabor Hofmann aus Nürtingen mit dendrochronologischen Untersuchungen an verschiedenen verbauten Hölzern.

Diese Untersuchungen brachten folgende Ergebnisse: Das Bruchsteinmauerwerk mit wenig Ziegelbeimengung weist in die Spätgotik. Im Mauerwerk des 2. OG befand sich an der östlichen Giebelseite ein Balkenkopf in situ, dessen Fälldatum trotz fehlender Waldkante in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts datiert.

Damit galt die Erbauung um 1480 als gesichert. Aus dieser Zeit stammen zudem das spitzbogige Eingangsportal und zwei an der südlichen Traufseite gelegene Fensteröffnungen als Sitznischenfenster mit rechteckiger Leibung und segmentbogigem Nischengewölbe. Ein ähnliches nicht mehr vollständig erhaltenes Fenster zeigt sich an der nördlichen Seite des Erdgeschosses. Zwei halbgeschossig liegende kleine Spitzbogenfensterchen gehören ebenfall zur Bauphase um 1480.

Ein grundlegender Umbau bzw. eine Aufstockung und Erhöhung der einzelnen Geschosse um ca. einen Meter lässt sich an der veränderten Balkenlage, an der Lage der kleinen gotischen Fensterchen an der Giebelseite sowie an den Holzuntersuchungen des dreigeschossigen Dachstuhls erkennen. Hier  ergibt die Dendrochronologie der Balken ein Fälldatum für den Winter 1597/98. Demnach erfolgte der Umbau des Herzogskastens um 1600 unter der Herrschaft der Bayerischen Herzöge. Dabei entstanden neue Balkendecken sowie neue Fensteröffnungen.

Während des Österreichischen Erbfolgekrieges (1742-1745) diente der „Troadstadel“ als Depot für Proviant und Kriegsmaterialien. Als Napoleon 1809 gemeinsam mit den Bayern gegen die Österreicher siegreich kämpfte, brachte man hier die Gefangenen unter. 1863 verkaufte das Königreich Bayern den Herzogskasten an die Stadt Abensberg.

Im 19. Jahrhundert veränderten massive Eingriffe den hinteren westlichen Teil des Gebäudes ganz erheblich. Die damaligen Bauherren integrierten eine Hopfendarre. Dabei zerstörten sie die Holzbalkendecke dort völlig, denn sie bauten einen Aufzugsschacht über alle Stockwerke ein. Das bedingte eine vorgelagerte Ziegelmauer, die dem Gebäude Festigkeit verleihen sollte. Einen mächtigen Kamin mauerten sie im Zuge dessen auf. Später veränderten nachträglich eingebaute Holztreppen das Gesamtbild nochmal erheblich. Von 1961 bis 1985 verpachtete die Stadt den Stadel an Ignaz Treitinger, dem er als Möbellager und Verkaufsfläche diente.

Von 2004 bis 2005 sanierte die Stadt das Gebäude nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten grundlegend. Seit 2006 befinden sich im Herzogskasten das Stadtmuseum und die Tourist-Information.

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