Das Maß ist der Mensch

Das Maß ist der Mensch

Das Maß ist der Mensch

40 Jahre B.B.W. St. Franziskus Abensberg

 

Von Anfang an bot das Berufsbildungswerk St. Franziskus, eine der renommiertesten Einrichtung der beruflichen Rehabilitation in der Bundesrepublik, exklusive Rahmenbedingungen in der Ausbildung junger Menschen mit Beeinträchtigung. 1978 weihte die Katholische Jugendfürsorge der Diözese Regensburg e.V. als Träger die Einrichtung ein, jetzt (5. Juli 2018) wurde dort das 40-jährige Jubiläum gefeiert.


Wandel mitgehen
Exklusiv in der Arbeit der rd. 490 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist bis heute der ganzheitliche Ansatz in der beruflichen Qualifizierung und Persönlichkeitsförderung der jungen Menschen. Exklusiv ist das B.B.W. auch darin, den Wandel des Arbeitsmarktes und der Arbeitswelt stetig mitzugehen. So hat sich die Einrichtung mit Ausbildungswerkstätten, Internat, Berufsschule und Fachdiensten in vier Jahrzehnten zu einer komplexen Einrichtung mit differenzierten Leistungen und ausgeprägter Personenorientierung weiterentwickelt.


Lebenschancen und Perspektiven
40 Jahre Berufsbildungswerk St. Franziskus – das sind über 4.000 erfolgreich ausgebildete junge Menschen. Das sind „reelle Chancen auf gesellschaftliche Teilhabe“, stellte der Vorsitzende der Katholischen Jugendfürsorge, Domkapitular Dr. Roland Batz, im Gottesdienst zu Beginn der Jubiläumsfeierlichkeiten heraus. „Unser Maß“, so Dr. Batz weiter, „hier in der Einrichtung, in der Caritas und der KJF ist der Mensch.“ Das mache sozial-caritatives, christliches Handeln aus. „Dazu braucht es in unserer Gesellschaft solche Menschen wie Sie es sind“, wandte er sich an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des B.B.W. Die Stärke der Einrichtung, ja der Gesellschaft, zeige sich darin, wie sehr die Schwächsten im Mittelpunkt stehen. Für das großartige Engagement der im B.B.W. tätigen Fachkräfte bedankte sich der Direktor der Katholischen Jugendfürsorge, Michael Eibl, ebenfalls besonders. Auch Bayerns Sozialministerin Kerstin Schreyer zollte deren Leistung ihren Respekt. Sie ist der Einladung nach Abensberg gerne gefolgt. In ihrem Grußwort stellte sie bei der Jubiläumsfeier heraus: „Sie hatten in den vergangenen 40 Jahren immer das Ziel, jungen Leuten, die es schwerer haben als andere, eine Chance zu geben. Das heißt, sie dabei zu unterstützen, eine Arbeit zu finden oder eine Ausbildung zu machen, die ihren Fähigkeiten entspricht und die ihnen Spaß macht. Dieses Ziel unterstütze ich voll und ganz – nicht nur als Arbeitsministerin, sondern auch persönlich.“

KJF-Direktor Michael Eibl stellte heraus, wie es im B.B.W. in einmaliger Weise gelänge, Leistungen der Jugendhilfe, Teilhabeleistungen, U-Haft-Vermeidung, Leistungen für junge Flüchtlinge mit Ausbildung zu kombinieren und auch noch inklusiv auszurichten. „Ich bin immer wieder begeistert, wie es dem Gesamtleiter Walter Krug und unseren Mitarbeitern gelingt, das B.B.W auf die Bedürfnisse der jungen Menschen auszurichten und ihnen Chancen für ihren Lebensweg zu ermöglichen“, so Eibl.


Mit Gottvertrauen gestartet
Das Jubiläum feierten Kooperationspartner und Freunde der Einrichtung aus der Kommunalpolitik, der öffentlichen Verwaltung und der Regierung, der Agentur für Arbeit, den Jugendämtern, sozialen Einrichtungen, der Handwerkskammer und der OTH Regensburg mit. Bei einer Gesprächsrunde befragten die Schulleiterin der zum B.B.W. gehörigen Berufsschule Bettina Fuchs und Abteilungsleiterin Gerlinde Dubb unter anderem auch Prälat Dr. Josef Schweiger, bis 2016 Vorsitzender der KJF. Er hatte das B.B.W. maßgeblich mit aus der Taufe gehoben. Er erinnert sich noch gut an ein Gespräch in der Verhandlungsphase vor dem Aufbau der Einrichtung, in dem er sich sagen lassen musste, die KJF habe kein Grundstück und kein Geld. Worauf er konterte: „Aber Gottvertrauen!“. Auch an die Mithilfe der Stadt Abensberg erinnert sich der Prälat. Sie habe mit einem Grundstück im Wert von 4 Mio. DM mitgeholfen. Dafür sei dem damaligen Bürgermeister Kistler und der Stadt Abensberg noch heute zu danken. Abensbergs Bürgermeister Dr. Uwe Brandl stellte die Bedeutung der KJF als größtem Arbeitgeber mit über 1.300 Beschäftigten vor Ort heraus.


Was braucht das B.B.W. der Zukunft?
„Das BBW der Zukunft braucht weiterhin engagierte und fachlich besonders qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, sagt Gesamtleiter Walter Krug, „außerdem braucht es die Akzeptanz, dass besondere junge Menschen intensive und aufeinander abgestimmte Qualifizierungsprozesse in einem exklusiven Rahmen benötigen um darüber ihren Platz in einer inklusiven Gesellschaft zu finden.“ Das B.B.W. arbeitet mit jungen Menschen mit einer kognitiven Einschränkung (Lernbehinderung), mit einer Autismus-Spektrum-Störung, mit schwerwiegend psychischen Störungen, mit Verhaltensauffälligkeiten und gestörtem Sozialverhalten. Häufig liegen Mehrfach-Beeinträchtigungen vor. „Unsere Fachkräfte brauchen eine hohe Belastbarkeit und ein differenziertes Wissen zu den einzelnen Störungsbildern, das durch langjährige Erfahrung im Umgang mit der Klientel hinterfüttert sein muss“, erklärt Walter Krug. Förderung und Unterstützung seien immer spezifisch und individuell. Eine intensive Abstimmung zur Wahrung eines ganzheitlichen Handlungsansatzes müsse überdies im Reha-Team gewährleistet sein. Das Jubiläum nahm er zum Anlass, um die wertvollen Leistungen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern besonders zu würdigen: „Für Ihre Treue, permanente Veränderungsbereitschaft und Engagement in einem besonders herausfordernden Feld der sozialen Arbeit gilt Ihnen mein besonderer Dank“, so Krug. Dem Träger des B.B.W., der Katholischen Jugendfürsorge, dankte Krug für die stete Unterstützung, Mitwirkung und das Vertrauen gegenüber der Einrichtung.


Aktuelle Themen und Herausforderungen
Wenn Krug die aktuellen Themen und Herausforderungen benennt, ist klar, ohne qualifizierte und engagierte Fachkräfte ist das nicht zu stemmen: Die Veränderung der Arbeitswelt – Stichwort Arbeitswelt 4.0 und Anforderungen durch die Digitalisierung, die Berufliche Rehabilitation für Menschen mit Autismus und bei psychischen Störungen und die Nutzung der ICF (International Classification of Functioning, Disability and Health) für Rehabilitationsprozesse, noch mehr Partizipation und Einbindung der jungen Menschen – Personenzentrierung hier das Schlagwort aus dem Bundesteilhabegesetz. Krug wünscht sich eine noch bessere Verbindung und Kooperation mit Betrieben der freien Wirtschaft, damit noch mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach der Ausbildung auf den ersten Arbeitsmarkt integriert werden können sowie einen ganzheitlichen Reha-Steuerungs-Prozess. Eine weitere fachliche Herausforderung ergäbe sich durch die Zunahme von Verhaltensstörungen bei jungen Menschen in der Beruflichen Rehabilitation, sodass Maßnahmen der Erziehungshilfe flankierend notwendig sind.


Differenziertes Leistungsangebot
Das B.B.W. St. Franziskus bildet in 14 Berufsfeldern und 36 Berufen aus. Die Integrationsquote (Integration in Arbeit bzw. weiterführende Qualifikation) der Absolventen lag in 2017 bei 66%, in 2016 bei 61%. In der sogenannten verzahnten Ausbildung waren 59 % der Jugendlichen; das heißt, sie haben einen Teil der Ausbildung in einem Betrieb auf dem ersten Arbeitsmarkt absolviert. Auf diese Zahl ist Walter Krug stolz, wenngleich damit einige Herausforderungen für das B.B.W. verbunden sind. Aktuell gibt es 330 Auszubildende im B.B.W. Weitere 130 Jugendliche und junge Erwachsene absolvieren eine Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BvB), 60 Schülerinnen und Schüler sind im Berufsvorbereitungsjahr (BVJ). In den Internatsgruppen wohnen und leben 360 der jungen Menschen, in den Heilpädagogischen, Therapeutischen und Sozialtherapeutischen Wohngruppen an unterschiedlichen Standorten insgesamt 99. Weitere Leistungen des B.B.W. sind ein Assessment-Center, in dem eine fundierte Berufswegeplanung und Förderdiagnostik angeboten werden, die sogenannte U-Haft-Vermeidung für Jugendliche aus der Untersuchungshaft, deren Haftbefehl aufgehoben und durch einen Unterbringungsbefehl ersetzt wird. Seit 2014 fördert und begleitet das B.B.W. auch unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in unterschiedlichen Wohnformen, bildet einzelne aus oder fördert sie in einer eigenen beruflichen Qualifizierungsmaßnahme. Neben den klassischen Angeboten einer Rehabilitationseinrichtung umfasst das Portfolio des B.B.W. mittlerweile auch Leistungen aus der Erziehungshilfe. So z.B. die Flexiblen Dienste für derzeit 70 Familien und Inobhutnahmen für den Landkreis Kelheim.

Weiterführende Informationen
In Ausbildung, Förderung, Begleitung, Therapie und Beratung sind an die 50 Berufe im B.B.W. vertreten. Unter den rd. 490 Beschäftigten finden sich Ausbilder in industriellen, handwerklichen und hauswirtschaftlichen Berufsfeldern, gleichgewichtig in technischen Berufen und Dienstleistungsberufen, Sozialpädagogische Fachkräfte, Pädagogen, Erziehungswissenschaftler, Lehrer, Psychologen und Therapeuten sowie Mitarbeiter in der Verwaltung.

Wichtige Partner des B.B.W. sind die Agenturen für Arbeit, Jugendämter, Aufsichtsbehörden wie die Heimaufsicht, Gesundheitsamt, Berufsgenossenschaft und Sozialhilfeträger. In der Ausbildung kooperiert die Einrichtung mit Berufsschulen der Region, der Industrie- und Handwerkskammer, dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Wirtschaftsunternehmen und Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes. Mit Vertreterinnen und Vertretern aus der Kommunalpolitik in Stadt Abensberg und im Landkreis Kelheim gilt es den Sozialraum inklusiv zu gestalten und Weiterentwicklungen abzustimmen.

 

Text: Christine Allgeyer, KJF. Fotos: Ingo Knott, Stadt Abensberg.



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Veröffentlicht von Ingo Knott, 06.07.2018
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