Abensberg: "Musterstadt" für Barrierefreiheit

Abensberg:

Abensberg: "Musterstadt" für Barrierefreiheit

Der Amtschef des Sozialministeriums war begeistert: „So weit ist keine bayerische Stadt“, so Michael Höhenberger, Ministerialdirektor, noch im persönlichen Gespräch, um dann zur Eröffnung der Aktionswoche „Abensberg: alles inklusiv!“ die Vorreiterrolle der Stadt auf dem Gebiet der Barrierefreiheit deutlich zu loben: „Abensberg ist die Musterstadt für Barrierefreiheit in Bayern."

Das kam nicht von ungefähr – Höhenberger war im Oktober 2016 bereits zu Gast, um Abensberg für den barrierefreien Herzogskasten und die Innenstadt auszuzeichnen. Im Gepäck hatte er nun zum erneuten Besuch insgesamt 19 „Bayern barrierefrei – wir sind dabei!“-Auszeichnungen.

Offizieller Anlass des Besuchs aus München war die Eröffnung der Aktionswoche „Abensberg: alles inklusiv!“ am Dienstagmittag (25. April 2017) im Einkaufszentrum Abensberg. Auf der Ausstellungsfläche im Erdgeschoß kann man sich auf 16 Plakatwänden mit dem Titel „Die barrierefreie Gemeinde“ über wesentliche Aspekte von 16 Modellgemeinden informieren, die sich das Thema Barrierefreiheit im öffentlichen Raum auf die Fahnen geschrieben haben. Dazu konnten Neugierige bei verschiedenen Stationen einen „Perspektivenwechsel“ im Rollstuhl oder mit Blindenstock erleben, Hör- und Sehtests machen oder an einer Fotowand ein deutliches Statement zur Inklusion abgeben.

Initiatorin für diese große Anzahl an Auszeichnungen war abermals Stadträtin Marion Huber-Schallner, Behindertenbeauftragte der Stadt Abensberg. Höhenberger, der „so eine Veranstaltung zum Thema Barrierefreiheit noch nicht erlebt hat“, war beeindruckt: „Die Verantwortlichen haben es nicht beim Erreichten belassen! Dass wir heute 19 Signets überreichen können, ist ein großer Tag für die Barrierefreiheit.“ Als Höhenberger auf Frau Huber-Schallner einging, wurde seine Rede von Applaus unterbrochen: „Was sie schafft, ist einzigartig.“

Auch Landrat Martin Neumeyer war zur Eröffnung dabei; er erinnerte kurz daran, dass Abensberg als erste niederbayerische Stadt einen barrierefreien Bahnhof erhält. Und er regte an, die Möglichkeit zum Perspektivenwechsel zu nutzen: „Setzen Sie sich in den Rollstuhl und erfahren Sie, wie schwer es sein kann, wenn drei Zentimeter Höhenunterschied im Gehweg auftauchen.“ Insbesondere aber wandte sich Neumeyer an Marion Huber-Schallner, die er vor seiner Wahl zum Landrat ja lange als stellvertretender Behindertenbeauftragter begleitet hat. „Du bist eine starke und tolle Person.“

Abensbergs Erster Bürgermeister Dr. Uwe Brandl dankte Marion Huber-Schallnerherzlich; es sei „ein Glücksgriff“ gewesen, sie vor über zehn Jahren in den Stadtrat zu holen. Sie sensibilisiere mit ihrer Arbeit die Öffentlichkeit, sorge aber gleichzeitig dafür, dass das Thema stets vorangetrieben werde. Zum Nachdenken regte Dr. Brandl an, als er seine kurzen Ausführungen mit der Frage abschloss: „Seien wir ehrlich – wer von uns ist ohne Handicap?“

Marion Huber-Schallner stand zu ihrer Rede auf Augenhöhe mit den Anwesenden – eine aufsehenerregende, hydraulische Vorrichtung im Rollstuhl machte es möglich. Sie drückte ihren vielfältigen Dank an Ministerialdirektor Höhenberger, an Landrat Neumeyer, an den Bürgermeister und Gemeindetagspräsidenten Dr. Brandl und auch an den Behindertenbeauftragten des Landkreises Kelheim, Professor Joachim Hammer, aus. Seit ihrem Unfall engagiere sie sich für den Abbau von Barrieren: „Wir sind nicht behindert, es sind die Umstände, die uns behindern.“ Es sei eine Frage der Wertschätzung, ob man Menschen mit Behinderung aus vielen Bereichen ausschließe – oder eben nicht. „In Abensberg findet die Wertschätzung in der ganzen Gemeinde statt.“ Dies beginne beim Bürgermeister, „dem Teilhabe und Wertschätzung aller Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt wesentlich sind.“ Auch die Verwaltung und der Stadtrat gingen stets positiv mit dem Thema um. „Und zuletzt, ebenso wichtig, sind es die Bürgerinnen und Bürger von Abensberg, die die barrierefreien Maßnahmen begrüßen und diese nutzen.“

Bei der Verleihung des Signets „Bayern barrierefrei – wir sind dabei!“ im Herbst 2016 für den Herzogskasten und die Innenstadt sei ihr bewusst geworden, dass die Stadt weit mehr zu bieten habe. Sie recherchierte, telefonierte, organisierte – und tatsächlich haben „19 Einrichtungen, Unternehmen und Gebäude die Kriterien in vorbildlicher Weise erfüllt und erhalten heute die `barrierefrei`-Auszeichnungen.“

Bevor die Auszeichnungen von Ministerialdirektor Höhenberger und Bürgermeister Brandl vergeben wurden, blickte sie in ihre eigene Vergangenheit. „Heute ist für mich zufällig ein besonders emotionaler Tag: mein Unfall war am 25. April 1996. Mein Jahrestag jährt sich heute zum 21. Mal.“ Und nicht allein das – bei der kürzlich erfolgten Einweihung des Aventinums war auch der Bürgermeister von Saal an der Donau, Christian Nerb, anwesend – und er fragte sie, ob sie sich an ihn erinnern könne. „Er nahm vor 21 Jahren, er ist ja eigentlich Polizist, meinen Unfall auf. In diesem Moment im Aventinum blieb die Zeit stehen, ich durchlebte innerhalb von Sekunden Freude und Trauer, es kam mir vor, als wäre es gestern gewesen. Dieser Herr ist heute unter uns, er war und ist immer in meinen Gedanken, aber jetzt habe ich eine Person dazu – und ich möchte ihm in diesem Rahmen meinen großen Dank aussprechen!“ Das berührte natürlich auch Christian Nerb, der zur Eröffnung ebenfalls ins EKZ gekommen war.

Unter dem Applaus der vielen Besucher und Begleiter wurden dann die insgesamt 19 Signets überreicht. „Bayern barrierefrei – wir sind dabei!“ haben erhalten: Das Einkaufszentrum Abensberg, die Interdisziplinäre Frühförderstelle und Offene Behindertenarbeit Magdalena, das Integrative Montessori-Kinderhaus, die Prälat Michael-Thaller-Schule, das Integrations- und Begegnungszentrum Cabrizio in Offenstetten, die Kinderkrippe Wichtelstube, der Katholische Kindergarten St. Vitus in Offenstetten, die Grundschule Offenstetten, die Aventinus Grundschule Abensberg, die Aventinus Mittelschule Abensberg, das öffentliche WC in der Max-Bronold-Straße, das Freibad Abensberg, die TSV-Zweifeldturnhalle, das Aventinum, das Theater am Bahnhof, der Kuchlbauerturm mit „Kuchlbauer‘s Bierwelt“ und Kunsthaus Abensberg, das Rot Kreuz-Cafe im BRK Seniorenheim, die Praxis für Ergotherapie Krammel und die Physiotherapie und Naturheilkundepraxis Keil & Turic.

Unter dem Motto „Abensberg: alles inklusiv!“ geht es dann weiter:

Am Dienstag, 2. Mai, um 19 Uhr gibt es Vorträge zum „Barrierefreien Bauen“ im Aventinum Abensberg mit Christine Harnest, Innenarchitektin, und Josef Spritzendorfer, Baustoffexperte, zu den Themen „Barrierefreies Bauen im privaten und öffentlichen Raum“ sowie „Barrierefreies Bauen für Allergiker und Umwelterkrankte“. Das Thema Schadstoffe in Baustoffen und Gebäuden wird behandelt.

Am Mittwoch, 3. Mai, um 19.30 Uhr (Einlass 18.30 Uhr) ist im Roxy Kino Abensberg der Kinofilm „Mein Blind Date mit dem Leben“ zu sehen; damit erfolgt auch die Vorstellung der App „Greta & Starks“, mit der seh- und hör-beeinträchtigte Menschen dem Filmgeschehen ebenfalls folgen können. Mit dem Bayerischen Blinden und Sehbehindertenbund e.V. und Interessierten, eingeschränkten und nicht-eingeschränkten Personen findet unter der Moderation von Niklas Neumeyer eine Gesprächsrunde statt; im Anschluss an den Film gibt es einen geselligen Austausch im Foyer.

Am Donnerstag, 4. Mai, ab 16 Uhr ist eine Schlossführung und Vortrag von und mit Dr. Bernhard Resch, Gesamtleiter des Cabrini-Zentrum Offenstetten und 2. Bürgermeister der Stadt Abensberg. Er gibt Einblicke in die Geschichte und das Geschehen des Cabrini-Zentrums. Treffpunkt vor dem Schloss.

Am Freitag, 5. Mai, ab 16 Uhr: „Barrierefreie Stadtführung“ mit Karl-Heinz Hauser, der sich „Auf den Spuren der Babonen“ begibt – Rollstühle stehen zur Verfügung, Treffpunkt am Herzogskasten Abensberg. Zum Auftakt findet der Vortrag mit Film „Entrümpeltes Mittelalter – Barrierefreiheit in Abensberg“ mit Kurt Weingartner, den Ortsvorsitzenden des VdK Abensberg, im Herzogskasten statt.

Am Samstag, 6. Mai, schließt „Abensberg: alles inklusiv!“ mit dem nochmaligen Perspektivwechsel-Angebot:  Ab 11 Uhr Inklusionsparcours im EKZ Abensberg, wieder mit Rollstühlen, Blindenstöcken und dem Sinnesparcours-Angebot.

Im Foto Ministerialdirektor Michael Höhenberger, Stadträtin und Behindertenbeauftragte Marion Huber-Schallner und Erster Bürgermeister Dr. Uwe Brandl. Nach der Ehrung für Frau Huber-Schallner wurden die 19 Signets "Bayern barrierefrei - wir sind dabei!" an Abensberger Firmen, Gebäude und Einrichtungen vergeben.

Hier geht es zur Mitteilung des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Soziales, Familie und Integration.



Veröffentlicht von Ingo Knott, 26.04.2017
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