Ein Vermächtnis
Tradition seit 1313
Für den Profi-Fotografen standen alle Stramm - ein Foto aus der Zeit um 1900.
In Abensberg in Niederbayern existiert heute noch einer der ältesten Jahrmärkte Bayerns.
Kirchliche Wurzeln
Die Wurzeln des Gillamoos liegen in einer Wallfahrt mit Markt und Messe. Zu Ehren des Heiligen Ägidius pilgerten anlässlich des Kirchweihtags von "St. Gilgen in dem Moos" immer mehr Menschen nach Abensberg. Erstmals erwähnt eine Urkunde aus dem Jahr 1313 diese Kapelle, die nachweislich bis zur Säkularisierung 1813 westlich der Stadt stand. Die Siegenburger errichteten drei Jahre später ihren Kirchturm mit Steinen des abgebrochenen Filialkirchleins.
Um den christlichen Wurzeln des Gillamoos zu gedenken, beschloss das Komitee, an historischer Stelle die Kapelle zum 700. Jubiläum neu zu errichten. Sie ist steinernes Zeugnis des bürgerschaftlichen Engagements, denn sie errichteten allein ehrenamtliche Helfer und sie finanzierten ausschließlich Sponsoren.
Historische Quellen
Die erste urkundliche Erwähnung des Jahrmarktes stammt aus dem Jahr 1491 und findet sich in Abrechnungen des Pfleggerichts Abensberg. Das Pfleggericht war von 1500 bis ins frühe 19. Jahrhundert in Bayern und Österreich eine gängige Verwaltungseinrichtung und damit Vorläufer der heutigen Kommune.
Die erste überlieferte Marktordnung aus dem Jahr 1580 beinhaltet aussagekräftige Informationen. Der Gillamoos war bereits von der Kapelle St. Gilg am Moos auf die Kälberrötz umgezogen, den heutigen Veranstaltungsort. Das Kirchweihfest scheint etwas in den Hintergrund gerückt. Möglicherweise war der Platz an der Kapelle sei zu klein oder zu sumpfig gewesen, um den Besuchermassen noch gerecht zu werden. Bis heute beruht der Gillamoos auf einer Marktordnung (Link) und ist deshalb ein Jahrmarkt und kein Volksfest.
Der erste Beleg für die Bezeichnung Gillamoos datiert 1637, genau auf den ersten September. Ein Weltenburger Abt vermerkt in seinem Bericht, dass er auf dem Gillamoos 4 Gulden verzehrt habe. Eine geradezu stattliche Zeche!
Namenspatron & Nothelfer
Ägidius erblickte im Jahre 640 das Licht der Welt – als Sohn einer reichen Familie in Athen. Der Legende nach bevorzugte er das Leben als Einsiedler in einer Höhle bei Nimes und ernährte sich von der Milch einer Hirschkuh. Als der Westgotenkönig Wamba im Zuge einer Jagd auf diese Hirschkuh zielte, stellte sich Ägidius schützend vor die Hirschkuh – der Pfeil verwundete ihn schwer. Daraufhin bekam Wamba jedoch ein schlechtes Gewissen und er genehmigte Ägidius schließlich den Bau eines Klosters. Um 680 gründete Ägidius die spätere Benediktinerabtei „Saint Gilles“, der er als Abt bis zu seinem Tod vorstand. Seit dem neunten Jahrhundert verehren Christen ihn als Heiligen. Er ist der Schutzpatron der stillenden Mütter, der Jäger, Hirten, Schiffbrüchigen, Bogenschützen, des Viehs, des Holzes, des Waldes, der Aussätzigen und Bettler.