Realistische Ziele definieren

Realistische Ziele definieren

Der Auftakt der Wintervortragsreihe zum Thema Biodiversität.


Zahlreiche Zuhörer folgten der Einladung des Amtes für Ernährung Landwirtschaft und Forsten (AELF) Abensberg ins Aventinum, um sich speziell über den Einfluss der Landwirtschaft auf die Artenvielfalt zu informieren. Hierzu begrüßte Behördenleiter Dr. Joachim Hamberger im vollbesetzten Karmelitensaal den Referenten Prof. Wolfgang Weißer von der TU München, einen ausgewiesenen Experten speziell für Zusammenhänge zwischen Landwirtschaft und Artenvielfalt.

Abensbergs 1. Bürgermeister Dr. Uwe Brandl machte in seinen Grußworten zur Veranstaltung deutlich, dass in dieser Thematik jeder, insbesondere als Konsument, gefordert sei. Beim Kauf von Nahrungsmittel müsse der Mehrwert an erbrachter Umweltleistung bezahlt werden. Insbesondere die Pächter von öffentlichen Flächen sieht Dr. Brandl auch in der Pflicht, diese umweltgerecht zu bewirtschaften. Vom Bayerischen Bauernverband Abensberg, als Partner der Veranstaltung, begrüßte der Kreisobmann Thomas Obster. Er wünsche sich von allen an der Thematik Biodiversität Beteiligten einen fairen Gestaltungsprozess. Seit dem Volksbegehren sieht er die Landwirte an den Pranger gestellt, die als Alleinverursacher am Artensterben von der Gesellschaft ausgemacht werden. Der Vorsitzende der BN Kreisgruppe Kelheim, Peter Forstner, gab in seinem Grußwort zu verstehen, dass er mit den Landwirten speziell bzgl. des gesellschaftlichen Anliegens nach mehr Artenvielfalt den Dialog suche. Er sieht die Landwirte als Opfer des falschen Weges der bisherigen Agrarpolitik. Von Jahr zu Jahr stellt er insbesondere in den Grünländern immer weniger Arten der Fauna und Flora fest. Der Große Brachvogel sei im Abenstal schon ganz verschwunden.

Biodiversität und Landnutzung sind verknüpft
„Es ist noch Zeit,  etwas zu tun!“ Mit diesen Worten eröffnete Prof. Weißer seinen Vortrag an diesem Abend. Wissenschaftliche Daten zum Artenschwund würden nicht auf regelmäßigem Monitoring beruhen, sondern vielmehr auf einem Mosaik von Daten; diese zeigen eindeutig wechselseitige Einflüsse von Biodiversität und Landnutzung. Die Einflüsse der Grünlandbewirtschaftung auf die Artenvielfalt lässt sich nach seinen Ausführungen eindeutig über einen Landnutzungsindex beschreiben. In diesem sind sowohl die für die Bewirtschaftung eingesetzte Stickstoffmenge, die Anzahl der Wiesenschnitte und die Beweidungsintensität berücksichtigt. Im Ackerbau sieht Prof. Weißer neben dem Zusammenhang zwischen intensiver Bewirtschaftung und Biodiversitätsverlust auch viele andere negative Einflüsse, wie z.B. Bodenerosion, Wasserqualität gegeben. In einer Studie von 1350 Weizenfeldern konnte der Artenschwund mit der Höhe des Ertrages in Zusammenhang gebracht werden. Streuungen, also der vereinzelten Möglichkeit eines hohen Ertrages mit einer hohen Artenzahl, gelte es vertieft nachzugehen.

Insektizide und Herbizide als Hauptursachen
Als Hauptursachen für den Verlust von Biodiversität in der intensiven Landbewirtschaftung wird sowohl der Einsatz von Insektiziden als auch von Herbiziden aufgeführt. Nach den Ausführungen zum Status quo und den Ursachen des Verlustes stellte Weißer dem Auditorium nun die Frage „Was können wir wollen“ und appellierte, realistische Ziele im Themenkomplex Biodiversität zu formulieren. „Wir werden und können die Artenvielfalt vor hundert Jahren nicht mehr erreichen.“ Bei der Gestaltung von Agrarumweltmaßnahmen wünscht sich Prof. Weißer eine stärkere Beteiligung der Wissenschaft, um eine höchstmögliche Effektivität zu gewährleisten. Auch viele Möglichkeiten der biologischen Schädlingsbekämpfung seien gegenwärtig nicht ausgeschöpft.

Umweltleistungen der Bauern honorieren
In der Gestaltung von öffentlichen „Eh-da“-Flächen, mit einem Flächenanteil von zwei bis sechs Prozent sieht Weißer ein hohes Potential insbesondere die Artenvielfalt zu stützen. Der Landkreis Kelheim mit rund 3.000 Hektar an „Eh-da“-Flächen, deren Pflege über den Landschaftspflegeverband VöF ohnehin geplant ist, sei auf einem guten Weg. Abschließend appellierte der TUM-Professor an die Gesellschaft, Umweltleistungen der Landwirte zu honorieren, um somit das Positive zu fördern.

Im Anschluss an die Veranstaltung wurde die Diskussion zu dieser komplexen Thematik noch weitergeführt. Mit einem Geschenk aus Köstlichkeiten der Region bedankte sich Dr. Hamberger vom AELF Abensberg bei Professor Weißer.

Die von der Stadt Abensberg mit präsentierte Vortragsreihe wird am Mittwoch, 4. Dezember, fortgesetzt. Ab 19 Uhr spricht Hildegard Rust, Dipl. Oecotrophologin, zum Thema „Unterstützung der Artenvielfalt in der Natur durch individuell kluges Handeln in Ernährung und Hauswirtschaft“. Mit dabei an diesem Abend ist der Landkreis Kelheim-Fachberater für Gartenbau und Landschaftspflege Franz Nadler, der „Tipps für den Naturgarten“ gibt. Der Eintritt ist frei.

Die ganze Vortragsreihe finden Sie in dieser Broschüre.

Im Bild oben von li. nach re.: Aelf-Leiter Dr. Joachim Hamberger, BN-Kreisgruppenvorsitzender Peter Forstner, Referent Prof. Wolfgang Weißer, 1. Bürgermeister Dr. Uwe Brandl und der Kreisobmann des Bauernverbands, Thomas Obster.

 

 



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Veröffentlicht von Ingo Knott, 19.11.2019
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