Einmalig: Die „Werkstatt für Barrierefreiheit“

Einmalig: Die „Werkstatt für Barrierefreiheit“

Einmalig: Die „Werkstatt für Barrierefreiheit“

Vom Ehrenamt zur professionellen Dienstleistung: Im Landkreis Kelheim hat sich aus dem ehrenamtlichen Engagement von und mit behinderten Menschen eine Sozialgenossenschaft gegründet, die künftig Politik, Gesellschaft und Unternehmen als Ansprechpartner in allen inklusiven und barrierefreien Themenfeldern dient.

Die Genossenschaft hat ihren Sitz in Abensberg und wurde am Montagabend in feierlichem Rahmen mit der beeindruckenden Bilderausstellung „mittendrin!“ von Bayerns Sozialministerin Emilia Müller und Petra Ellert, der Leiterin des Projekts eröffnet.

Es durfte gestaunt werden am Montagabend, als Ministerin Müller ins Aventinum kam; ein Andrang an fröhlichen Menschen wie selten im Ausstellungsbereich „Galeria di Lonigo“, wo sich rund 150 Gäste tummelten. Und das - natürlich - ganz inklusiv, ein Miteinander von Menschen ohne und mit Behinderung, viele davon eingebunden in die Inklusionsaktionen des Landkreises Kelheim (und oft darüber hinaus), dazu an den Wänden die Ausstellung der „mittendrin!“-Bilder, die schlichtweg begeistern: Ein großer Abend.

Denn die Eröffnung der Fotoausstellung „mittendrin!“ markierte gleichzeitig die Eröffnung der „Werkstatt für Barrierefreiheit“, die in der Aventinus-Passage angesiedelt ist. Hier werden künftig Dienstleistungen angeboten, die für die Entwicklung des Miteinanders wichtig sind: Wie kann man eine Website barrierefrei gestalten, also so, dass sie leicht verständlich ist? Sind Texte und Verträge klar formuliert? Wo ist barrierefreier Tourismus möglich, wo noch nicht? Dazu werden Sensibilisierungs-Workshops für Schulklassen, Unternehmen oder Behörden angeboten. Die „Werkstatt für Barrierefreiheit“ ist besetzt von Petra Ellert, Diplom-Pädagogin, seit 2011 Leiterin des Projekts „mittendrin!“ und gemeinsam mit Marion Huber-Schallner, Stadträtin und Behindertenbeauftragte in Abensberg maßgeblich für die Gründung der "Werkstatt" verantwortlich; Alexander Prock, Mitarbeiter der Landshuter Werkstätten und durch seine Lernbehinderung idealer Ansprechpartner in der „Werkstatt“ für gut verständliche Texte; Mathias Haimerl, Informatiker, der sich um barrierefreie Webseitengestaltung kümmert; Eva-Maria Michl, Mediengestalterin und Öffentlichkeitsarbeiterin.

Bevor Emilia Müller das Rote Band in der Aventinus-Passage durchschnitt, wurde im Aventinum die von Georg Zagler initiierte Fotoausstellung „mittendrin!“ eröffnet - und es gab neben den humorigen Einlassungen des Ausstellungskurators Tobias Hammerl viele Dankesworte, die Petra Ellert geschickt in eine Podiumsdiskussion verpackt hatte - neben Landrat Dr. Hubert Faltermeier sprachen Christiane Lettow-Berger, Michael Eibl, Christine Linhart, Bertin Abbenhues, Edmund Klingshirn, Klaus Amann und die Riedenburger Stadträtin Susanne Wöhrl; sie alle waren und sind unterstützend tätig und gaben Statements zu ihren jeweiligen Themenfeldern ab.

Und da die „Werkstatt für Barrierefreiheit“ als gemeinnützige Sozialgenossenschaft funktioniert, sorgte Abensbergs Bürgermeister Dr. Uwe Brandl in seinem Grußwort mit dem Geständnis, er werde bei Marion Huber-Schallner nun „beantragen, ein Genosse zu werden“, für Lacher. Brandl: „Dass ich das mal sage, hätte ich auch nie gedacht.“ Kurzum: Die Eröffnung im Aventinum war von großer Herzlichkeit geprägt, von guter Laune, von Begegnungen, die alltäglich sein sollten, es aber nicht immer sind. Und die „Werkstatt für Barrierefreiheit“ soll an den geeigneten Stellschrauben drehen können, damit Menschen mit und Menschen ohne Behinderung den gleichen Lebensraum und die gleichen Chancen haben. Ein Miteinander - auf Augenhöhe.

Staatsministerin Emilia Müller dankte in ihrem Grußwort „Uwe Brandl, der immer ein großes Herz hat für alle sozialen Belange“, auch in seiner Rolle als Präsident des bayerischen Gemeindetages, und gratulierte allen zum „mittendrin!“-Projekt, das nun in die „Werkstatt“ münde. „Vorreiterrollen sind nicht immer einfach - ich wünsche Ihnen allen viel Erfolg!“ - Und so groß wie der Andrang im Aventinum war, so groß war der Auflauf an begeisterten Leuten in der Aventinus-Passage, wo sich die fünf Gründungsmitglieder der „Werkstatt“ vorstellten; Ministerin Müller gab hier den Startschuss für die Website. Emilia Müller: „Die Genossenschaft wird nicht nur für Menschen mit Behinderung neue Arbeitsfelder schaffen, sondern auch zur barrierefreien Infrastruktur im Landkreis Kelheim beitragen sowie für alle die Lebensqualität steigern.“ - Das zeigte bereits der Eröffnungsabend.

Unser Bild entstand im Aventinum und zeigt u.a. Marion Huber-Schallner, neben ihr Petra Ellert mit Mikro in der Hand, Applaus von Bürgermeister Dr. Uwe Brandl und Staatsministerin Emilia Müller. Mehr Fotos finden Sie auf der Facebook-Seite der Stadt Abensberg.



Veröffentlicht von Ingo Knott, 20.01.2015
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