Einzigartig und zukunftsweisend

Einzigartig und zukunftsweisend

Einzigartig und zukunftsweisend

Die neu in Abensberg angesiedelte Werkstatt für Barrierefreiheit birgt die Chance, eine beratende und begleitende Anlaufstelle für Firmen, Kommunen und Privatpersonen im ganzen Landkreis und darüber hinaus zu werden.

Bei einem Informationsabend im Aventinum wurde die genossenschaftlich organisierte Werkstatt vorgestellt. Sie ist bayernweit einzigartig, zur Gründung im Januar 2015 hatte Staatsministerin Emilia Müller persönlich gratuliert.

Maßgeblich sind derzeit zwei Damen an der Front, die für die Werkstatt für Barrierefreiheit werben: Marion Huber-Schallner, Abensberger Stadträtin, Behindertenbeauftragte der Stadt und selbst seit 19 Jahren im Rollstuhl, und die Diplompädagogin Petra Ellert. Beide wirkten mit am Inklusionsprojekt „mittendrin!“, aus Bekanntschaften wurden enge Kontakte und als „mittendrin!“ beendet wurde, hatte man ein Netzwerk an Betroffenen, Fachleuten und Ehrenamtlichen, die sich für eine barrierefreie Welt einsetzen wollten. Eine Chance - die genutzt wurde: Im Juni 2014 wurden die Pläne zur Gründung einer Werkstatt für Barrierefreiheit im Sozialministerium vorgestellt, bereits im August kam die Förderzusage. Im Januar 2015 wurde das Büro in Abensberg (Osterriedergasse 3) eröffnet, die Anerkennung der Gemeinnützigkeit ist erteilt. Hier werden in absehbarer Zeit „Die Umsetzer“ täglich anzutreffen sein, derzeit ist das Büro noch sporadisch besetzt.

Die Leistungen sind zukunftsweisend und nicht alleine auf Menschen mit Behinderung ausgerichtet: Auch die alternde Gesellschaft macht es früher oder später unumgänglich, dass sich Kommunen oder Stadtplaner, Architekten und Projektentwickler im baulichen und auch im Freizeit- und Tourismusbereich darauf einstellen. Ein weiteres Thema: Im Durchschnitt haben 40 Prozent aller heutigen Mittelschüler mit längeren Texten Verständnisschwierigkeiten - und so ist das Angebot der „Werkstatt“ auch, Texte und Vorträge auf leichte Sprache zu überprüfen. Auch können Internet-Auftritte nach ihrer „Barrierefreiheit“ getestet werden - da wird dann nicht nur die Sprache ins Visier genommen, sondern auch, ob die Navigation klar und einfach ist. Auch diese Barrieren im Kopf abzubauen ist Ziel der Werkstatt. Dazu kommen Sensibilisierungs-Workshops für Schulklassen, Ämter oder Behörden - wer sich selbst einmal mit eingeschränktem Sehfeld orientieren muss, der denkt nach Abnahme der Auge nbinde anders als zuvor. Er ist sensibilisiert.

Jetzt gilt es, das Projekt anzuschieben - schon beim Informationsabend wurden viele Mitgliedsanträge mitgenommen. Für die Sozialgenossenschaft sind Personen, Unternehmen, soziale Einrichtungen oder Städte und Gemeinden nötig, die Anteilsscheine zu je 100 Euro zeichnen (diese werden nach Beendigung der Mitgliedschaft wieder ausgezahlt) und Mitglied werden. Diese Mitgliedschaft beginnt bei 20 Euro jährlich (für aktive Mitglieder) und eröffnet dann das gesamte Angebotsspektrum der Werkstatt. Darüber hinaus können sich Mitglieder - wenn sie möchten - intern weiter bilden und selbst zu Experten heran reifen. „Wir machen Pionierarbeit“, so Petra Ellert, und die Besucherinnen und Besucher des Informationsabends griffen eifrig zu. Eine Frage aber wurde - fast - vergessen: „Ab welchem Alter kann man Mitglied werden?“, fragte der kleine Vinzenz ganz zum Schluss. „Man muss 18 sein“, sagte Petra Ellert, fügte aber geschwind hinzu: „Du bekommst aber eine Ehrenmitgliedschaft! Weil Du so oft auf Deine Mama verzichtest, wegen uns.“ Da drückten sich Vinzenz und seine Mama, während sich Papa Huber schon für Anteilsscheine interessierte. Miteinander kommt man eben weiter.

Informationsmaterial /Mitgliedsanträge können hier angefordert werden: info@die-umsetzer.org oder Tel.: 09443/ 925 7741.

Unser Foto zeigt Marion Huber-Schallner (links) und Petra Ellert (mitte).



Veröffentlicht von Ingo Knott, 03.03.2015
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