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Aventinus-Handschriften im Internet

Die Stadt Abensberg, die Stadt Regensburg und die Bayerische Staatsbibliothek haben ein Projekt auf den Weg gebracht, in dem die Handschriften von Johannes Turmair, gen. Aventinus, digitalisiert und im world wide web zur Verfügung gestellt werden.

Damit besteht erstmals die Möglichkeit, viele Handschriften des gebürtigen Abensbergers Johannes Turmair (1477-1534) einzusehen. Darüber hinaus stehen diese Handschriften auf diese Weise für Forschungen jeglicher Art zur Verfügung.

Die abgescannten Aventinus-Handschriften können unter der Internetseite www.bayerische-landesbibliothek-online.de/aventin/ und www.gda.bayern.de/fotostrecken/aventin/ eingesehen werden.

Damit gelingt es auch zum ersten Mal, alle Werke von Johannes Turmair, sei es die Bayerische Chronik oder lateinische Grammatiken bzw. seine sonstigen literarischen Werke und vor allem auch den Hauskalender, der von ihm persönlich geführt wurde, einzusehen.

Inschrift Aventinusstatue Abensberg, 03Die Stadt Abensberg bedankt sich darüber hinaus vor allem für das Tragen der finanziellen Hauptlast dieses Projektes bei der Stadt Regensburg und bei der Bayerischen Staatsbibliothek, die das Personal und Material, vor allem auch das Sachwissen zur Verfügung stellt, um dieses Projekt zu verwirklichen.

Johannes Turmair, genannt Aventinus

AvenitnusstatueJohannes Turmair war ein herausragender Humanist und Gelehrter, der durch seine "Bayerische Chronik" und die "Annalium Boiorum" Weltruhm erlangte. Schon vor fast 500 Jahren stellte er fest, dass die Abensberger ein besonders aufgeschlossenes, gastfreundliches aber auch eigenwilliges Völkchen sind.

Er wurde am 04. Juli 1477 in Abensberg geboren. Sein Vater Peter Turmair, ein wohlhabender Gast- und Weinwirt, kaufte 1487 in Abensberg ein Brauhaus am heutigen Stadtplatz. Dort wuchs Aventinus auf. Er besuchte vielleicht die Lateinschule der Karmeliten in Abensberg. Seine Familie war sehr aufgeschlossen und erkannte seine Begabungen. Sie ermöglichte ihm eine universitäre Ausbildung über die Lateinschule hinaus. Die Mutter von Johannes Turmair war eine geb. Küsser und stammte von Sandharlanden.

Am 21. Juni 1495 begann Johann Turmair als „akademischer Bürger“ seine Studien an der bayerischen Landesuniversität zu Ingolstadt, die 1472 gegründet wurde und damals zum Herzogtum Niederbayern gehörte. Dort lehrte der Humanist Conrad Celtis (1459 bis 1508), der nicht nur Aventins Lehrer war, sondern zu dem Aventinus auch freundschaftliche Kontakte pflegte. Er war auch dem Humanisten Leonhard von Eck freundschaftlich verbunden. Er trug seinen Namen als „Johannes Turmair ex Abensberg“ in die Matrikel der Hohen Schule ein, wo er Student der Artistenfakultät war.

Aventinus, Erstausgabe der Baierischen Chronik, 1556Johann Turmair folgte 1499 seinem Lehrer Celtis nach Wien, der einen Ruf an die Universität Wien angenommen hatte. Im Frühjahr 1501 wechselte er die Universität und ging für ein Jahr an die damals ebenfalls berühmte Universität nach Krakau. Im Januar 1503 schrieb sich Aventinus an der Pariser Universität Sorbonne ein und erwarb dort den „Magister der sieben freien Künste“.

Nach dem Tode seines Förderers und Gönners Herzog Albrecht IV. (1508) wurde ihm die Erziehung der noch unmündigen nachgeborenen Söhne des Herzogs übertragen. Ab Januar 1509 unterrichtete er die beiden Prinzen Ludwig und Ernst in Burghausen, Landshut und München.

Am 9. März 1517 wurde Johann Turmair von den bayerischen Herzögen Wilhelm IV. (1493 bis 1550) und Ludwig X. (1495 bis 1545) zum bayerischen Historiographen ernannt und begann mit der Erforschung der historischen Quellen. Dabei besuchte er zahlreiche Städte, Klöster und Burgen.

Zwischen 1519 und 1521 vollendete er in Abensberg sein epochales Werk über die bayerische Geschichte. Ab 1522 fing Aventinus an, sein in lateinischer Sprache verfasstes Werk ins Deutsche zu übersetzen.

Aventinus-Grabplatte in St. Emmeram, RegensburgVon Aventinus stammt auch die erste 1523 gedruckte Landkarte von Bayern. Des Weiteren verfasste er unter anderem eine lateinische Grammatik und ein Werk über die Ursachen des Türkenkrieges.

Am 07. Oktober 1528 wurde Aventin verhaftet und für 11 Tage ins Gefängnis gesperrt, weil er die katholische Kirche und den Adel heftig kritisiert hatte. Doch auf die Fürsprache seines einflussreichen Freundes und herzoglichen Rates Leonard von Eck ließ man ihn wieder frei.

Am 23. März 1533 vollendete er die „Bayerische Chronik“. Die Werke über die bayerische Geschichte erschienen jedoch erst nach seinem Tode. 1554 erschienen die „Annales boiorum“ in Ingolstadt, 1566 folgte die Veröffentlichung der deutschen Übersetzung in Frankfurt.

Erst im Alter von 52 Jahren ehelichte er 1529 Barbara Fröschmann. Mit seiner Familie lebte er in Regensburg, wo er 1531 das Haus Nr. 14 in der Engelburgergasse kaufte. In der Weihnachtszeit 1533 begab sich Johann Turmair von Ingolstadt nach Regensburg, wobei er schwer erkrankte und bald darauf am 9. Januar 1534 in Regensburg verstarb. Er liegt in St. Emmeram begraben.

1861 wurde auf dem damaligen Paradeplatz das Aventinus-Denkmal errichtet. Das Motiv schuf der Abensberger Franz Gallus Weber. Schon bei der Fertigstellung der Walhalla wurde dort auch eine Büste des berühmten Abensberger ausgestellt.

Franz Piendl
Stadt Abensberg

 

Immatrikulation

Immatrikulation von Johannes Aventinus an der Hohen Schule in Ingolstadt im Sommer-semester 1495. Aus dem Original der Immatriculationsmatrikel von 1495, S. 133 (Nr. 21).

Herausgegeben von Freiherr Dr. von Pöllnitz:
„Die Matrikel der Ludwig-Maximilians-Universität Ingolstadt - Landshut - München,“ Lindauersche Universitätsbuchhandlung, München 1937, S. 243 und 244.

Original im Universitätsarchiv München bzw. im Archiv des Herzoglichen Georgianums München.

 

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